Nein, ich kenne die Antwort nicht. Aber ich weiß, es wird weitergehen. Warum also dann diesen Artikel?

Zunächst einmal: Wenn das Virus so hartnäckig ist, wird es kein “post Corona” geben. Wir werden mit dem Virus leben müssen. Genauso wie mit anderen Viren, Krankheiten, oder besser Befindlichkeiten. Wir werden also nicht fragen müssen, wie es nach Corona weitergeht, sondern mit Corona in seiner unterschiedlich starken Verbreitung.

Beachtet man die Schlagzeilen und das, was in unserer Branche geschrieben wird, so geht es dort um das “Neue Neu”. Auch das ist nicht neu. Vieles scheint so, als wäre es getrieben vom starken Wunsch, wieder eine Normalität zu erreichen, die derjenigen vor Corona ähnlich ist. Da ist es verständlich, dass alte Methoden und Lösungsansätze in einen neuen Namen gepackt werden und angeboten werden. Und noch etwas lässt sich beobachten: Die Bundesregierung stellt den zurückgeholten Bürgern ihre Flüge in Rechnung, Laschek prüft, ob Tönnies haftbar gemacht werden kann und auch bei den Landwirten wird den Verbrauchern vorgeworfen, sie haben Schuld an dem, was durch bei Tönnies publik gewordenen Arbeitsbedingungen in der Ernährungserzeugung schief läuft. “Versagen” der Politik, der einzelnen Berufssparten, der Gesellschaft wird laut geschrien und immer wieder wird versucht, die Schuld auf andere abzuwälzen.

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Wir sind alle gemeinsam mitschuldig an dem, was sich jetzt zeigt: Wir haben falsch oder nicht gewählt, waren beim falschen Geschäft einkaufen, haben nicht rechtzeitig unsere Stimme erhoben oder zu wenig für unsere Gesundheit getan.

Und?

Jeder von uns kann sich ändern. Das Vergangene können wir nicht ungeschehen machen. Aber unseren Weg in die Zukunft können wir gestalten. Mit jedem Schritt, den wir vor die Türe setzen, entscheiden wir uns. Mit jedem Euro, den wir ausgeben, entscheiden wir uns. Mit jedem Gedanken, den wir aussprechen, entscheiden wir uns.

Eines der größten Probleme in der Vergangenheit, die ich in meiner über 20jährigen Erfahrung als Teamtrainer, Weiterbildner und Coach machen konnte, war die Schwierigkeit vom Denken in das Handeln zu kommen. Seien wir doch ehrlich zu uns selbst: Wir wissen, was alles um uns herum nicht nachhaltig genug ist, um den Klimawandel zu stoppen, was unsozial und menschenverachtend ist. Und dennoch bleiben wir in unserem alten Verhalten. Meistens spielt Anonymität eine Rolle. Oder auch der Einfluss der Freunde und Kollegen mit ihren Meinungsäußerungen.

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Kürzlich las ich in einem kurzen Artikel des Harvard Business Managers zu diesem Thema über eine Werbekampagne für eine Entwöhnungshotline für Raucher. Man hatte Kinder gebeten, Raucher auf der Straße anzusprechen und um Feuer zu bitten. Die meisten Erwachsenen sorgten sich um das Wohl der Kinder und verweigerten das Feuer. Daraufhin überreichten die Kinder einen Zettel mit der sinngemäß gestellten Frage “Du sorgst dich um meine Gesundheit, warum sorgst Du dich nicht um deine eigene Gesundheit” sowie der Telefonnummer der Hotline. Die Anrufe stiegen um mehr als 60%.

Was hat das mit unserem Handeln ab sofort zu tun? Wenn wir uns die Diskrepanz unserer Vorstellungen mit unserem Handeln bewusst machen, dann entsteht ein Handlungsimpuls. Unter dem evokatorischen Prinzip betrachtet bedeutet dies: Wenn ich eine persönliche Frage an mich selbst habe, dann entsteht Handlungsmotivation.

Wie geht es also weiter – für Dich? Ein Weg ist es, sich der eigenen Fragen bewusst zu werden: Wo kommen sie her? Welche Ziele will ich mit der Frage erreichen, was muss geschehen, damit die Frage ihre Antwort finden kann?

Jetzt gibt es nur noch einen weiteren, kleinen Haken: Häufig lösen Fragen, die andere an uns stellen zwar ein Nach- und Weiterdenken aus. Wenn es aber keine wirklich aus mir heraus gestellte Frage ist, dann ist die Wirkung des Umsetzungsimpuls viel schwächer. Welche Frage hätten wohl die Kinder stellen sollen, damit die Frage beim Raucher auftaucht “Wie kann ich mich auch um meine Gesundheit sorgen?”

Was bedeutet dieses Phänomen für Post-Corona?

Die Vergangenheit und die Erkenntnisse zum Umweltschutz, zur sinnstiftenden Unternehmensführung, Antidiskriminierung etc sind uns weitestgehend bekannt. Unbekannt ist, was die Zukunft für mich als Einzelnen und in meiner Familie birgt, was ich daraus machen kann. Klar hat nicht jeder alle Möglichkeiten, aber jeder hat Möglichkeiten, mögen sie auch noch so gering sein.

Die Zukunft wird sich durch die vielen kleinen Entscheidungen gestalten, die wir treffen. Dass dabei sowohl ganz persönliche Interessen als auch gesellschaftliche Anforderungen bedacht werden müssen, ist in diesen Zeiten wichtiger denn je. Covid-19 zeigt uns genau diese Dringlichkeit, den Fokus nicht nur auf den persönlichen Teil meiner Entscheidung zu lenken, sondern auch auf den gesellschaftlichen.

Gehen ist ein schrittweises Fallen in die vorher bestimmte Richtung. Probiere es aus, gehe ganz langsam und dann immer schneller. Weitergehen wird es durch die Schritte, die jeder von uns geht. Die Richtung haben wir schon vorher entschieden. Die Geschwindigkeit unseres Gehens hängt oft von unserer Motivation auf das Ziel ab. Auch sie bestimmen wir mental.

Damit ändert sie die Ausgangsfrage erneut: Wohin und mit welcher Motivation gehen wir in Zukunft?

Willst Du, dass diese Richtung von Anderen für dich festgelegt wird? Oder brauchst du zumindest Leitplanken und Geländer, die andere vor dir erstellen? Oder bist Du jemand, der selbst Vorreiter sein will?

Diejenigen, die jetzt voraus gehen, sollten für die ängstlicheren Geländer errichten. Was dabei für den Erhalt unseres Planeten und einer enkeltauglichen Gesellschaft nötig ist, wissen wir. Packen wir es also an und gehen unsere mental vorbereiteten Schritte. Jeder seine eigenen. Was werden deine nächsten Schritte sein?