Ich beobachte bei mir, wie ich die Kriseninformationen suche, lese, kategorisiere.

Da gibt es einerseits die nackten Zahlen der Forschungsinstitute. Diese stellen die Todesfälle, die durchgeführten Tests und die Infizierten dar. Mit logischem denken und der Verfolgung über mehrere Tage, lassen sich die daraus resultierenden Kurven durchaus nachvollziehen.

Dann wiederum lese ich die logischen Aneinanderreihungen der verschiedenen bedachten Auswirkungen. Szenarien, die in die Zukunft entwickelt werden und Politiker, Unternehmer und Mitmenschen zu Entscheidungen herausfordern.

Hin und wieder finden weniger logisch begründete, jedoch in sich denkbare Theorien ihren Weg zu meinem Interesse. Sie verweisen ebenfalls auf wahrnehmbare Tatsachen, stellen diese jedoch in einen anderen Zusammenhang.

Auch lesenswert sind Artikel von mir sympathischen Mitdenkern dieser Zeit. Sei es Claus Otto Scharmer, Yuval Noah Harari oder anerkannte Journalisten aus den verschiedenen Ressorts der Tages- und Wochenpresse.

Bei den nackten Zahlen regt sich die Frage, was wie erhoben wird. Meine wissenschaftliche Erfahrung hat mich gelehrt, wie abhängig die Ergebnisse von den erhobenen Daten sind. Jeder, der seine Bachelor- oder Masterarbeit geschrieben hat, kann dies nachvollziehen.

Die verschiedenen, in sich logischen Gedankengänge der Szenarien und Verschwörungstheorien beziehen sich zwar auch auf punktuelle Wahrnehmungen der Fakten, weisen jedoch, abhängig von unterschiedlichen, persönlichen Bewertungen, in diverse Richtungen. Die persönliche Beurteilungslage des Autors zeigt sich also darin.

Bei den sympathischen Autoren diverser Artikel verschmilzt sogar diese Beurteilungslage mit der eigenen Beurteilungslage. Ich lese, was ich denken will und werfe gegebenfalls die eigene Fähigkeit des kritischen Denkens über Bord.

Damit wird für mich deutlich, wie wichtig es derzeitig ist, das eigene Denken zu beobachten und sich die Frage zu stellen: Denke ich wirklich unbeeinflusst, oder werde ich gedacht (indem mein Denken sich nur assoziativ an den sympathischen Gedanken anderer anlehnt)?

Aus diesem Impuls ist es sehr bemerkenswert, dass der Ruf nach Besinnung, nach Meditation und Innehalten derzeitig sehr laut von verschiedensten Seiten formuliert wird. Und nicht nur ein Mitdenken und ein gemeinsames Wahrnehmen der Situation, sondern auch ein daraus resultierendes Tun sollte dann folgen. Denn alles still gedachte, möge es auch noch so richtig sein, bedarf eines entschiedenen Tuns oder Lassens in der uns umgebenden Welt.

In diesem Sinne wünsche ich ein frohes Ostern.