Die Magie der Dreiecke

Vor ein paar Wochen las ich einen Beitrag auf LinkedIn über die Stärkung der Vertrauenskultur bei Uber. Neben dem, was textlich kurz beschrieben war, fand ich eine Abbildung mit einem Dreieck, an dessen jeweiligen Ecken drei wesentliche Aspekte genannt wurden, die für die Stärkung von Vertrauen notwendig sind.

Mir geht es so, dass ich derartige Abbildungen sehr schätze, weil sie einprägsam sind. Ich prüfe sie aber auch daraufhin, ob ich die vereinfachte Darstellung nachvollziehen kann. Und in diesem Artikel möchte ich ein paar Gedanken über derartige Dreiecke teilen.

Warum Magie?

Eine Polarität, wie sie beispielsweise in der Darstellung der bipolaren intrinsischen Motivation gewählt wird, hilft uns zu verstehen und zu reflektieren, was sich widersprüchlich anfühlt. In vielen Übungen gibt es den Umgang damit, indem man sich selbst oder einen Vertreter zwischen den Polen platziert. So sieht man schnell, wie stark die eine Seite die andere überwiegt. In Umfragen ist Polarität ein häufig genutztes Tool, um Abschätzungen darzustellen.

Auch den Umgang mit Quadranten sind wir gewohnt. Sie vereinen zwei unabhängige Polaritäten miteinander. Ob in Porters Diamond Modell oder in SWOT- Analysen, sie werden von uns ebenfalls leicht verstanden.

Dreiecke sind da etwas besonderes. Es gibt nicht das klare Gegenüber, die Konfrontation. Sondern das Gefühl, welches sich einstellt. Wenn ich von einer Ecke aus auf die gegenüberliegende Seite schaue, ist in manchen Dreiecken die Spannung, der gegenüberliegenden, scheinbaren Polarität zu empfinden. Damit entsteht Ambivalenz und Achtsamkeit. Drei konkrete Beispiele dazu:

Bermudadreieck des Projektmanagements

“Zeit ist Geld” heißt ein Sprichwort. Beide Komponenten treten im Magischen Dreieck oder im Bermudadreieck des Projektmanagements auf. Sie werden jedoch durch eine dritte Komponente ergänzt: Qualität. Geringe Qualität entsteht, wenn zu wenig Zeit oder zuwenig Geld in die Veredelung der Komponenten gesteckt wird. Oder auch wenn von beidem zu wenig vorhanden ist.

Über dieses Dreieck bin ich 2007 gestolpert und fragte mich: Was ist denn mit dem Menschen? Wo taucht er in diesem Dreieck auf? Und ist es nicht so, dass der Mensch als ausführender und steuernder Faktor unbedingt mit beachtet werden muss, wohingegen Geld das Resultag der erfolgreichen oder erfolglosen Dreiecksbeziehung darstellt?

Magisches Dreieck der Unternehmensführung

So kam ich auf das Magische Dreieck der Unternehmensführung. Die Inhalte, sprich die Produkte, Unternehmensziele, werden durch Menschen in Prozessen gefertigt. Sind die Beziehungen der Menschen zu den Prozessen oder Inhalten (oder beidem ;-)) mangelhaft, lässt sich kein gutes Ergebnis erzielen. Inhalte, Prozesse und Beziehungen bilden daher auch ein solches magisches Dreieck. Für Geld können wir uns Produkte und Dienstleistungen kaufen. Für alle diese Produkte haben Beziehungen von Menschen zu vorherigen Produkten über eine gewisse Zeit stattgefunden. Selbst bei den Dienstleistungen geht es uns in letzter Instanz darum, dass sich etwas in der Realität wahrnehmbar ändert. Im Konzert ist es der akustische Genuß über einen Zeitraum. Bei einer Beratung im Unternehmen erwarten wir am Ende eine Veränderung der Unternehmensbilanz, andere Prozesse und tragfähigere Beziehungen untereinander.

Wirkungsdreieck des Vertrauens

Die drei Ecken des oben genannten Vertrauensdreiecks werden mit Authentizität, Empathie und Logik gekennzeichnet. Authentizität entsteht im Handeln, Empathie im Herzen und Logik im Kopf.

In der “Bildung für nachhaltige Entwicklung” heißt es “Lernen mit Kopf, Herz und Hand”. Die Einflüsse des Denkens auf Gefühl und Handeln sind mir ebenso nachvollziehbar, wie die jeweiligen anderen Kombinationen.

Team, Kunde, Stabsfunktionen

Im Rahmen von Unternehmen gibt es auch das Dreieck aus Team, Kunden und Stabsfunktionen. Während ein funktionierendes Team die Weisungen der Stabsfunktionen so umsetzt, dass sie dem Kunden dienlich sind, hilft auch der Anspruch der Kunden den Stabsfunktionen und dem Team, sich entsprechend zu organisieren.

Dreieck, Sechseck, Kreis

Kann man die Dreiecke auch kombinieren? Was bedeuten dann die jeweiligen Seiten?

Das Team-Kunde-Stab-Dreieck lässt sich problemlos in das Magische Dreieck der Unternehmensführung einbetten. Dann entsteht ein Sechseck gegen den Uhrzeigersinn mit folgenden Bezeichnungen: Inhalt(Ziel), Kunde, Beziehung, Team, Prozess, Stabstellen.

Wie passt jetzt Authentizität, Empathie und Logik dazu?

Rein Assoziativ würde ich Authentizität gerade beim Produkt, bzw beim Inhalt ansiedeln. Empathie bei der Beziehung und Logik bei den Prozessen.

Diese anfänglichen Überlegungen führen dazu, dass ich vermute, wir sprechen von verschiedenen Ebenen der gleichen sozialen Gesetzmäßigkeiten. Meine Untersuchungen dazu dauern an.

Vielleicht gibt es in deinem Erfahrungsraum auch solche Dreiecke, die du in die von mir beschriebenen mit einbinden würdest. Ich bin gespannt. Bereits im ersten Brief der Korinther taucht das Trio Glaube, Hoffnung und Liebe auf…

Der Augenblick

Ab heute gilt Maskenpflicht in Bus, Bahn und Ladengeschäften. Während man in den vergangenen Wochen erleben konnte, wie immer mehr Masken das Stadtbild prägten, ist zu vermuten, dass heute noch mehr Menschen sich an die Vorgaben halten.

Viele Menschen sehen sich eingeschränkt. Der Mimik des Gegenübers beraubt, wird es schwieriger, sich ein Bild und Urteil über den Anderen zu machen. Was für den einen eine Gefahr, kann für den Anderen eine Chance sein.

Welcher Mitmensch verbirgt sich hinter der Maske?

Schaue ich zu mir und was ich selbst steuern und verändern kann, so ist es die innere Haltung, mit der ich dem Anderen begegne. Fühle ich mich eingeschränkt von Außen, oder sehe ich die Chance des Augenblickes?

Während wir in den vergangenen Jahren unseren Mitmenschen im Supermarkt eher interessenslos begegneten, wächst derzeit die Intensität der Augenblicke. Wir sehen einander häufiger in die Augen und damit begegnen wir uns intensiver.

Vor kurzem schrieb ich einen Blogbeitrag zur Begegnung in Remote-Situationen, in dem ich eine Übung beschrieb, die mich faszinierte: Wir schauten einem von uns gewählten Teilnehmer an und fragten uns, wie es ihm ginge. Auch wenn wir nicht wussten, wer uns ansah und ob überhaupt, so war diese Übung für mich ein Augenöffner.

Zusammengefasst mit der Maskenpflicht bedingt die Situation, dass wir uns mehr in die Augen sehen müssen und dadurch eine andere Begegnungsqualität entstehen kann. Diese Qualität wird abhängig davon sein, in welcher Haltung ich dem Gegenüber begegne.

Machen wir das Beste daraus! Unterstellen wir dem Gegenüber, es sei großartig, Mutig, ein Weltverbesserer. Glauben wir an seine oder ihre Fähigkeiten, an den Wunsch das Beste für die Welt und sich zu tun. Wir müssen es nicht einmal aussprechen, es reicht, ihm oder ihr über den Blickkontakt zu signalisieren: Du bist gemeint, du bist gut!

Und wenn du diese Übung bei deinem nächsten Einkauf oder Busfahrt machst, dann wirst du merken, wie sich Wohlwollen um dich herum ausbreitet.

Wie können wir Beziehung in Remote-Konferenzen herstellen?

Zwei Möglichkeiten für den Check-In

Diese Frage wird in den zunehmenden Videokonferenzen und bei denjenigen, die sie als Facilitator unterstützen immer lauter. Mit der zunehmenden Erfahrung, wie effektiv Besprechungen geführt werden können und wie fokussiert man beim gemeinsamen Blick auf einen Bildschirm Themen bearbeiten kann, stellt sich die Frage, was eigentlich an der Präsenzarbeit so anders ist. Und häufig hört oder liest man: Die Beziehung ist eine andere.

Klar, man kann die Mimik besser erkennen und auch die Körpersprache. Die ständigen Mute-Tasten sind unterdrückt und so werden auch Stimmungslaute etc. wahrnehmbar. Daraus ziehen wir unsere Schlüsse über das, was andere Denken, wie sie sich Fühlen und was sie wohl antreibt.

Unternehmen, die seit jeher viel Remote arbeiten, sind die schnellen Abstimmungsprozesse gewohnt. Man organisiert hin und wieder echte Treffen, um die menschliche Begegnung zu ermöglichen oder nimmt in Kauf, dass zu Beginn oder nach dem Meeting auch mal ein bischen privates erzählt wird. Dabei treten diejenigen in Remote-Work stärker in den Vordergrund, die gerne von sich erzählen. Die Schweigenden bleiben im Hintergrund und die Beziehung zu ihnen wird schwächer.

Auch jetzt laden mich Kolleginnen und Kollegen, Kunden und Lieferanten zum virtuellen Afterwork oder auch zum Online-Barcamp ein. Was wir früher im Foyer oder in den Pausen ausgetauscht haben, bleibt in den eigenen vier Wänden und findet wenig Platz. Wie lässt sich aber dennoch Beziehung gestalten, ohne in die Persönlichkeit des Andere zu sehr einzugreifen und dadurch Ängste und Widerstände zu wecken?

Zwei Möglichkeiten möchte ich hier gerne schildern. Zum einen das Mood-Meter von Sprintbetter.de, zum anderen die Schweigeminuten in Zoom-Konferenzen.

Mood-Meter

(c) sprintbetter.de

Zu Beginn und zum Ende einer Zoom-Konferenz ist es hilfreich, den Teilnehmenden einen differenzierteren Ausdrucksrahmen für ihre Befindlichkeit zu geben. Mit Hilfe der obigen Abbildung ist das sehr einfach möglich. Wir haben im Rahmen von Barcamps zu Beginn unsere Sternchen auf eines der Felder geklebt (in einem gemeinsamen Whiteboard wie MURAL einem Google Jamboard). Dann hat jeder in zwei Sätzen begründet, warum er sich so fühlt. Die einzelnen Emfpindungen sind von unten links nach oben rechts zunehmend in der energie gesteigert und wandern dabei von negativen zu positiven Gefühlen.

Die Erfahrung zeigt, dass man zunächst gewillt ist, sozial erwünscht zu antworten. Hier ist die Empfehlung, dass wirklich dazu aufgefordert wird, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Es geht im Anschluss ja nicht darum, dem bekümmerten oder entmutigten gleich eine psychologische Beratung angedeihen zu lassen. Vielmehr geht es darum, zuzulassen, dass diese Stimmungen im Team vorhanden sind und sie zu respektieren.

Am Ende der Session kann erneut auf das Board gesehen werden und gegebenenfalls der eigene Stern verschoben werden auf die neue Stimmung. In diesen 5minütigen CheckIns und CheckOuts erlebt man als Beteiligter die Auseinandersetzung mit der eigenen Stimmung und mit dem Stimmungswandel der anderen. Das sorgt für eine größere Akzeptant und gegebenenfalls auch für eine spätere private Verabredung, wie sie auch im Office vielleicht stattfinden würde.

Bild von philm1310 auf Pixabay

Schweigeminuten in Zoom-Konferenzen

Ganz anders und viel intensiver empfand ich die Schweigeminuten zu Beginn einer Zoom-Konferenz. Wir wurden aufgefordert die Ansicht auf Galerieansicht umzuschalten (geht am oberen Bildrand) und uns die verschiedenen TeilnehmerInnen anzusehen. Dann sollten wir eines der Miniaturviedeo “anheften”. Das erreicht man dadurch, dass man auf die drei Punkte auf dem Bild klickt, während man es mit der Maus überfährt. Zoom schaltet genau dieses Video dann in Vollansicht und die anderen in die seitliche Galerieansicht.

Nun wurden wir aufgefordert uns diese Person anzusehen. Den Hintergrund, die Stimmung, in der derjenige wohl sei, was er jetzt wohl empfinden würde … Nach ein bis zwei Minuten konnten wir auch wechseln und andere Gesichter auswählen. Alle schauten konzentriert auf ihre Bildschirme und damit fast einander in die Augen. Zwar wusste man nicht, ob einen das Gegenüber jetzt gleichzeitig auch ansah, oder ob man überhaupt angesehen wurde, jedoch entstand ein Raum der Gegenseitigen Beschäftigung mit den Gesichtszügen, Gefühlsäußerungen, Hintergründe etc.

Diese Begegnung, ohne irgendein Urteil zum Anderen abzugeben oder aufzulösen, wen man sich angesehen hatte, führte zu einer emotional sehr positiven Stimmung innerhalb der relativ großen Runde von 25 TeilnehmerInnen. Als wir später in der Konferenz in Breaking-Teams unterteilt wurden (in diesem Fall per Zufall), freute ich mich, ein mir bekanntes Gesicht wiederzusehen, obwohl wir uns bis Dato noch nie gesehen hatten. Die Gesprächsbasis war sofort sehr vertraut und offen.

In diesem Gespräch in der Kleingruppe zeigte sich das Schweigen wiederum als große Kraft. Die Feststellung, dass wir zwar alle sehr fokussiert auf das Thema seien, aber es manchmal doch etwas Zeit benötige, den eigenen Körper wahrzunehmen, hatte ich bis dato in verschiedenen Webkonferenzen selbst wahrgenommen und von anderen Teilnehmern gehört. Wirklich auch hier sich zu Wort zu melden und zum Ausdruck zu bringen, dass man erst kurz sich besinnen wolle, ehe man etwas zu dem Punkt sage, war daher für mich logisch und wohltuend. Und es erschien mir leichter, weil wir gemeinsam zu Beginn bereits geschwiegen hatten.

Nehmt euch daher ruhig mal die Zeit, zu schweigen und den Anderen zu beobachten. Achtet aber darauf, dass ihr nicht in eine Vorverurteilug oder Verurteilung verfallt, welche negativen Einfluss auf eure Beziehung haben kann. Seid dabei neugierig und offen. Dann kann auch Beziehung in Remote-Work gelingen.

Welche Übungen oder Möglichkeiten kennt ihr, um gegenseitig die Beziehung zu stärken in Remote-Work-Meetings?