Die Zeit zwischen den Jahren

Seit einigen Jahren beobachte ich einen Boom der Auseinandersetzung mit den Rauhnächten, den 12 “heiligen Nächten” zwischen dem 24.12. und dem 5.1. des neuen Jahres. In unserer nördlichen Hemisphäre sind dies schon nicht mehr ganz die längsten Nächte. Aber sie vermitteln weltweit das Gefühl einer Besinnungspause. Die Jahresabschlüsse sind gemacht, das neue Jahr noch nicht so richtig da. Zeit zum Innehalten.

In dieser Zeit, so erzählte es mir vor mehr als 20 Jahren der damals weit über 80jährige Bauer Georg Wilhelm Schmidt, haben früher die Bauern ihre Träume beobachtet, um daraus den Blick auf die kommenden 12 Monate zu schärfen. Auch einige Bücher gibt es inzwischen, die diesen alten Brauch wieder aufleben lassen. Der Anthroposoph Rudolf Steiner soll erwähnt haben, dass in dieser Zeit der Zugang zur geistigen Welt besonders leicht sei.

Georg Wilhelm Schmidt setzte fort, was sein Vater 1924 nach dem sogenannten landwirtschaftlichen Kurs in Koberwitz begann: er säte Bäume in dieser Zeit und auch Getreide und züchtete so, mit dem Einfluss von Planetenkonstellationen, zukunftsfähige Pflanzen. Ich selbst habe für eine kurze Zeit dies im Schlosspark Freudenberg weiter fortgeführt und erlebte erstaunte Besucher, die sich die jungen Ulmen nach ein paar Jahren ansahen. Heute führt Bernhard Stichelmaier die Entwicklung eines Zukunftswaldes auf dem Freudenberg fort.

Schmidt sagte damals schon, das Gefüge sei jedoch verschoben. Es wäre nicht mehr Januar bis Dezember, sondern September bis August, was in diesen heiligen Nächten durchlaufen wird.

Betrachte ich heute die aktuelle Literatur und die Social-Media-Einträge und Aufrufe, so finde ich sehr unterschiedliche Darstellungen und Empfehlungen für diese Zeit. Einige berufen sich auf die alten Bräuche, andere entwickeln neue Ideen oder folgen ihren eigenen Reflexionsfragen. Aber alle haben eines gemeinsam:

Diese Zeit zwischen den Jahren lässt uns innehalten und sowohl rückbesinnende, als auch vorwärtsgerichtete Fragen stellen. Es ist die Zeit der grössten Fragentiefe im Jahr. Wir gestatten uns in dieser Zeit, tiefgreifende Fragen aufzuwerfen und sie vorerst stehen zu lassen. Wir suchen nicht die klare Antwort, sondern ringen mit den Fragen, suchen Ansätze in möglichen Deutungen und lassen dennoch zu, dass diese Fragen offen bleiben. Wir leben in dieser Zeit anders mit unseren Fragen.

Warum aber tun wir das nur in dieser Zeit? Warum gelingt es uns nicht, diese Haltung zu diesen Fragen über das ganze Jahr beizubehalten?

Im Alltag holt uns das Business wieder ein. Wir wollen schnelle Entscheidungen und Antworten auf unsere Fragen, denn nur dann haben wir das Gefühl, wir kommen einen Schritt weiter. Mit jeder klaren Antwort, die wir auf eine Frage geben können, erstirbt die Frage. Wir lassen sie als Spur zurück: Was ist meine Geschäftsidee? Wie setze ich sie um? Was macht meinen USP aus? Wie lautet mein Purpose? Habe ich die Kennzahlen erreicht?…

Wir erleben uns einerseits als fragende Wesen, andererseits leben wir in einer dermaßen starken Antwortkultur, dass uns gar nicht mehr auffällt, wie wirksam Fragen sind, die wir nicht beantworten können. Aber in diesen Rauhnächten, in dieser Zeit, da bekommen wir noch ein Gefühl dafür. Manche werden demütig, andere besinnlich. Viele von uns erinnern sich an Vorsätze, die sie sich in dieser Zeit vorgenommen haben. Sie beschreiben dann, ob es ihnen gelungen ist, oder ob sie gescheitert sind. Die Frage, ob es gelingen wird, begleitet sie durch ihr Jahr.

In Krisensituationen werden ebenfalls die großen Fragen geweckt. Das Jahr 2020 ist ein Krisenjahr, weil es mehr Fragen aufwirft, als die satten Jahre vorher. Es ist, als hätten wir das ganze Jahr Rauhnächtestimmung, Wir orientieren uns an den großen, offenen Fragen: Wie begegnen wir wirklich dem Klimawandel? Wa ist echte Silidarität im Umgang mit Impfstoffen, Freiheitseinschränkung, was ist an Urlaubsreisen nötig? Wie muss Bildung in Zukunft aussehen? …

Keiner von uns kennt die richtige Antwort darauf. Kaum einer mag sich wünschen, diese Antwort für jemand anderen entscheiden zu müssen. Und dennoch helfen uns diese Fragen uns selbst immer wieder zu verorten. Der Standpunkt, den wir für einen Moment dadurch bestimmen können, hilft uns, uns zu entwickeln. Anders als bei den alten Fragen, die durch eine klare Antwort ersterben, lassen uns die großen Fragen frei, bieten Entwicklungsräume, Leitplanken.

Agile Teams leben genau aus diesem Phänomen: Die große Aufgabe wird für einzelne Momente in kleinere Unterziele zerlegt, die erreichbar sind, die Fragen zulassen, die beantwortet werden können durch Versuch aber auch durch Irrtum. Dabei wird große Mühe aufgebracht, diese Unterziele zu beschreiben, voneinander abzugrenzen, zu gewichten. Dies wird deutlich leichter, wenn man beginnt, sich die Fragen anzuschauen, die hinter diesen Zielen stehen. In Agilen Teams herrscht meist auch eine bessere Fragekultur.

Doch zurück zum Zukunftswald im Schlosspark Freudenberg und zu den Rauhnächten: Ich habe zu meinen ersten Aussaaten nicht gewusst ob es einen Unterschied macht. Ich habe es getan, habe mir den Tag und die Uhrzeit herausgesucht und habe 24 h später eine Kontrollsaat mit dem gleichen Saatgut angelegt. Ich musste mehrere Jahre warten, bis das Ergebnis sichtbar wurde. Die ganze Zeit hat mich die Frage begleitet, was aus unseren Ulmen wird. Diese Frage hat mich motiviert, die Pflanzschule zu pflegen, zu beobachten, zu dokumentieren…

Die tiefen Fragen zwischen den Jahren motivieren uns über das Jahr hinweg. Sie geben Orientierung und Raum. Ich habe das Gefühl, dass 2020 ein ganzes Jahr war, was uns hilft, wieder zu lernen, mit diesen Fragen Zukunft neu zu gestalten.

In diesem Sinne entsteht mein Wunsch für 2021: Mögen wir gemeinsam die großen Fragen als Chance sehen, mögen wir die Ausdauer und den Mut haben, diese Fragen nicht zu schnell gänzlich zu beantworten, sondern mit ihrer Hilfe die Sensibilität, uns selbst immer wieder auf den richtigen Weg zu bringen, woimmer er uns auch hinführt!

Was sind deine großen Fragen, die dich leiten?

Be-Sinnliche Weihnachten

Ja, dieses Jahr ist anders. Die Bedrohung durch Corona, die Spaltung der Gesellschaft, die Reaktionen der Politik, die Einschränkungen aus uns selbst heraus oder von außen bestimmt. Die Erkenntnisse der Marktstrukturen, die in unterschiedlichen Geschwindigkeiten einsetzenden Marktveränderungen, die Umstellungen in den Begegnungen …

Und dann kommt jetzt, zu einem der kulturell am weitesten verbreiteten Fest, der zweite, harte Lockdown.

Die Nachrichten sind mit Sondersendungen angereichert, Zweifler und Befürworter werden gehört, Betroffene auf ihre Wünsche hin befragt.

Meine Frau ist Erzieherin. Auch ihr Kindergarten wird nur noch Notfälle betreuen, Kinder aus systemrelevanten Elternhäusern. Sie macht sich Sorgen um die Kinder aus den sozialschwachen Elternhäusern, bei denen erste Studien vom Anstieg der Gewalt, von Depressionen etc. sprechen.

Vor ein paar Tagen sprachen wir über eine Frage, die ich gerne weitergeben mag: Warum nutzen wir dieses Jahr nicht dafür, unser Verhältnis zu Weihnachten zu hinterfragen umd neu zu gestalten?

In den anderen Jahren haben auch wir es als stressig empfunden, auf den verschiedenen Weihnachtsfeiern zu erscheinen, Freunde auf Weihnachtsmärkten zu treffen und die Weihnachtseinkäufe zu erledigen.

Dieses Jahr kommt bei uns eine andere Weihnachtsstimmung auf. Wir be-Sinnen uns wirklich. Als Familie sitzen wir an den Nachmittagen zusammen oder machen ausgiebige Spaziergänge. Wir tauschen uns untereinander aus, teilen Gedanken und tiefe Wünsche, hören uns Botschaften aus virtuellen Adventskalendern an.

Welche Bräuche und Rituale können wir neu entwickeln, neu mit innerer Haltung füllen, zu kraftgebenden, bereichernden Gedankenübungen machen?

Plötzlich liegen die Begriffe Danken und Denken nebeneinander und das meditative Denken und Danken füllt diese Zeit. Be-Sinnung: mit allen Sinnen im Hier und Jetzt zu sein, sich in der Wahrnehmung zu üben, zu erkunden, wie aus dem Wahrgenommenen Gedanken sich formen, Fragen an das Leben, an uns, an die Gesellschaft, wie aus den Fragen Impulse entstehen, wie Motivation wächst und Beziehung reift.

Ich wünsche dir ein besinnliches Weihnachtsfest. Vielleicht gehörst du auch zu denjenigen, die die “zwölf heiligen Nächte” für eine besondere Innere Reise nutzen und damit vorchristliche Rituale aufgreifen.

Egal, wo es herkommt, wenn es dir hilft, zur Besinnung zu kommen, tue es, probiere es aus, alleine, in Gruppen…

Mein Transformationsradar

Der Begriff “Transformation” ist derzeit in massivem Gebrauch – und wird doch sehr unterschiedlich verwendet. Für die einen stellt er die Veränderung des Mindsets dar, für die anderen die Einführung von digitalen Geschäftsmodellen im Unternehmen, für dritte die Umwandlung von Spannungen in einem Trafo. Je nachdem, aus welcher Perspektive wir auf Transformation blicken, werden unterschiedliche Bilder in uns auftauchen. Etymologisch betrachtet bedeutet Transformation lediglich eine Umwandlung. Ob es die eines Systems ist, die elektrischer Spannung oder die von Strukturen, ist dabei zweitrangig.

Dennoch wird an allen Ecken und Enden landauf und landab Transformation gefordert. Das alte kann nach Covid nicht weitergehen, das Neue ist noch ein Silberschweif am Horizont. Aus diesem Grunde haben sich verschiedene TransformationsbegleiterInnen zusammengetan und ihre Erfahrungen mit Transformation dahingehend untersucht, was nötig ist, um Transformationskräfte wahrzunehmen. Entstanden ist ein IHK-Zertifizierter Lehrgang “Fachmann/Fachfrau Transformationsbegleitung” mit 14 Lehrgangstagen und dazwischenliegenden Online-Sessions. Zielgruppe sind vorallem diejenige Führungskräfte und Mitarbeitenden, die Transformation aus dem Inneren des Unternehmens begleiten wollen. Aber auch Menschen, die als externe Berater diese Prozesse anstoßen und begleiten, sind willkommen.

Transformation muss jedoch immer auch von oben gewollt werden. Maßgebliche Hindernisse in diesem Wollen ist oft ein fehlendes Vertrauen oder die geringe Fähigkeit, den Silberstreif am Horizont zu sehen. Daher gibt es für Entscheider einen dreistündigen Online-Workshop, der mit dem Thema so umgeht, dass dabei erste Erfahrungen gemacht werden können, was sich am eigenen Mindset ändern muss, damit Transformation beobachtet wird. Dieses Transformationsradar ist nicht nur hilfreich für Top-Entscheider, sondern ebenfalls für die begleitenden Mitarbeiter und Externen.

Ganz konkret geht es darum, zu erfahren, wie und in welcher Haltung, innere Veränderungsprozesse angestoßen werden können. Welche Fragestellungen sind dabei zu beachten? Denn wo Mensch fragt, ist er offen für die Signale, die bereits im Raum liegen. Häufig werden sie nicht entdeckt, weil wir die Beobachtung zu stark auf die Antworten lenken. Dann müssen wir uns auch nicht wundern, wenn wir hin und wieder anecken, weil wir die Steine unter der Oberfläche nicht gesehen haben.

Mehr Infos und Fragen? Dann gerne an mailen.

Evidenz

Claus Otto Scharmers Theory U tritt in meiner elektronischen Bias derzeit sehr häufig zutage. Viele geschätzte Kolleginnen und Kollegen berichten von den beeindruckenden Erlebnissen, die sie auf der Reise durch das U gemacht haben.

Auch ich habe mich auf solche Reisen begeben und dabei sehr wertvolle Begegnungen, einen sehr offenen Austausch und eine Kraft erfahren, die dem open mind, open heart und open will entspricht.

Das Erlebnis ist beeindruckend. Es gibt Kraft, macht mutig und zuversichtlich. Und doch stellt sich mir die Frage, ob ich wirklich den tiefsten Punkt des U erreicht habe?

Der leise Zweifel, der sich einschleicht, entsteht dabei aus meinem Wunsch, den Prozess zu beobachten, während ich ihn durchlaufe. Schliesslich möchte ich diese Technik auch mit Kunden anwenden können und muss daher begreifen, wie sie funktioniert und was wann wo passiert.

Solange ich aber noch denkend beobachte, ist ein Restfunke jenes Drängens in mir, etwas unbedingt lösen zu wollen. Ich verspüre die Angst, eine falsche Lösung zu finden. Und diese Angst verhindert den presencing-Moment. Mit diesem Denken beginne ich nämlich zwanghaft, einen Prototypen zu konstruieren. Ich versuche, einer Lösung vorzugreifen und nutze dafür alle meine vorher gemachten Erfahrungen. Damit zeigt sich aber, dass diese Erfahrungen urplötzlich sofort alle wieder da sind und mein Loslassen dieser alten Erfahrungen missglückt ist.

Es hat eine Zeit gedauert, bis ich das verstanden habe. Wenn ich in neuen Ulabs mitmache, entdecke ich immer wieder diese Schwelle. Die dann empfohlene Arbeit mit dem Körper, das intensive hineinspüren, wertfreie Zusammentragen der inneren Bilder, machen es leichter, die Gedanken zu verhindern. Geschenktes Vertrauen wird dann zur Quelle von Evidenz.

Diese Erfahrung zeigt mir deutlich, wie meine Gedanken Quelle einer zukünftigen Realität sind. Und wo der feine Unterschied zwischen Evidenz, Erfahrung und Wissen liegt.

Die Magie der Dreiecke

Vor ein paar Wochen las ich einen Beitrag auf LinkedIn über die Stärkung der Vertrauenskultur bei Uber. Neben dem, was textlich kurz beschrieben war, fand ich eine Abbildung mit einem Dreieck, an dessen jeweiligen Ecken drei wesentliche Aspekte genannt wurden, die für die Stärkung von Vertrauen notwendig sind.

Mir geht es so, dass ich derartige Abbildungen sehr schätze, weil sie einprägsam sind. Ich prüfe sie aber auch daraufhin, ob ich die vereinfachte Darstellung nachvollziehen kann. Und in diesem Artikel möchte ich ein paar Gedanken über derartige Dreiecke teilen.

Warum Magie?

Eine Polarität, wie sie beispielsweise in der Darstellung der bipolaren intrinsischen Motivation gewählt wird, hilft uns zu verstehen und zu reflektieren, was sich widersprüchlich anfühlt. In vielen Übungen gibt es den Umgang damit, indem man sich selbst oder einen Vertreter zwischen den Polen platziert. So sieht man schnell, wie stark die eine Seite die andere überwiegt. In Umfragen ist Polarität ein häufig genutztes Tool, um Abschätzungen darzustellen.

Auch den Umgang mit Quadranten sind wir gewohnt. Sie vereinen zwei unabhängige Polaritäten miteinander. Ob in Porters Diamond Modell oder in SWOT- Analysen, sie werden von uns ebenfalls leicht verstanden.

Dreiecke sind da etwas besonderes. Es gibt nicht das klare Gegenüber, die Konfrontation. Sondern das Gefühl, welches sich einstellt. Wenn ich von einer Ecke aus auf die gegenüberliegende Seite schaue, ist in manchen Dreiecken die Spannung, der gegenüberliegenden, scheinbaren Polarität zu empfinden. Damit entsteht Ambivalenz und Achtsamkeit. Drei konkrete Beispiele dazu:

Bermudadreieck des Projektmanagements

“Zeit ist Geld” heißt ein Sprichwort. Beide Komponenten treten im Magischen Dreieck oder im Bermudadreieck des Projektmanagements auf. Sie werden jedoch durch eine dritte Komponente ergänzt: Qualität. Geringe Qualität entsteht, wenn zu wenig Zeit oder zuwenig Geld in die Veredelung der Komponenten gesteckt wird. Oder auch wenn von beidem zu wenig vorhanden ist.

Über dieses Dreieck bin ich 2007 gestolpert und fragte mich: Was ist denn mit dem Menschen? Wo taucht er in diesem Dreieck auf? Und ist es nicht so, dass der Mensch als ausführender und steuernder Faktor unbedingt mit beachtet werden muss, wohingegen Geld das Resultag der erfolgreichen oder erfolglosen Dreiecksbeziehung darstellt?

Magisches Dreieck der Unternehmensführung

So kam ich auf das Magische Dreieck der Unternehmensführung. Die Inhalte, sprich die Produkte, Unternehmensziele, werden durch Menschen in Prozessen gefertigt. Sind die Beziehungen der Menschen zu den Prozessen oder Inhalten (oder beidem ;-)) mangelhaft, lässt sich kein gutes Ergebnis erzielen. Inhalte, Prozesse und Beziehungen bilden daher auch ein solches magisches Dreieck. Für Geld können wir uns Produkte und Dienstleistungen kaufen. Für alle diese Produkte haben Beziehungen von Menschen zu vorherigen Produkten über eine gewisse Zeit stattgefunden. Selbst bei den Dienstleistungen geht es uns in letzter Instanz darum, dass sich etwas in der Realität wahrnehmbar ändert. Im Konzert ist es der akustische Genuß über einen Zeitraum. Bei einer Beratung im Unternehmen erwarten wir am Ende eine Veränderung der Unternehmensbilanz, andere Prozesse und tragfähigere Beziehungen untereinander.

Wirkungsdreieck des Vertrauens

Die drei Ecken des oben genannten Vertrauensdreiecks werden mit Authentizität, Empathie und Logik gekennzeichnet. Authentizität entsteht im Handeln, Empathie im Herzen und Logik im Kopf.

In der “Bildung für nachhaltige Entwicklung” heißt es “Lernen mit Kopf, Herz und Hand”. Die Einflüsse des Denkens auf Gefühl und Handeln sind mir ebenso nachvollziehbar, wie die jeweiligen anderen Kombinationen.

Team, Kunde, Stabsfunktionen

Im Rahmen von Unternehmen gibt es auch das Dreieck aus Team, Kunden und Stabsfunktionen. Während ein funktionierendes Team die Weisungen der Stabsfunktionen so umsetzt, dass sie dem Kunden dienlich sind, hilft auch der Anspruch der Kunden den Stabsfunktionen und dem Team, sich entsprechend zu organisieren.

Dreieck, Sechseck, Kreis

Kann man die Dreiecke auch kombinieren? Was bedeuten dann die jeweiligen Seiten?

Das Team-Kunde-Stab-Dreieck lässt sich problemlos in das Magische Dreieck der Unternehmensführung einbetten. Dann entsteht ein Sechseck gegen den Uhrzeigersinn mit folgenden Bezeichnungen: Inhalt(Ziel), Kunde, Beziehung, Team, Prozess, Stabstellen.

Wie passt jetzt Authentizität, Empathie und Logik dazu?

Rein Assoziativ würde ich Authentizität gerade beim Produkt, bzw beim Inhalt ansiedeln. Empathie bei der Beziehung und Logik bei den Prozessen.

Diese anfänglichen Überlegungen führen dazu, dass ich vermute, wir sprechen von verschiedenen Ebenen der gleichen sozialen Gesetzmäßigkeiten. Meine Untersuchungen dazu dauern an.

Vielleicht gibt es in deinem Erfahrungsraum auch solche Dreiecke, die du in die von mir beschriebenen mit einbinden würdest. Ich bin gespannt. Bereits im ersten Brief der Korinther taucht das Trio Glaube, Hoffnung und Liebe auf…

Der Augenblick

Ab heute gilt Maskenpflicht in Bus, Bahn und Ladengeschäften. Während man in den vergangenen Wochen erleben konnte, wie immer mehr Masken das Stadtbild prägten, ist zu vermuten, dass heute noch mehr Menschen sich an die Vorgaben halten.

Viele Menschen sehen sich eingeschränkt. Der Mimik des Gegenübers beraubt, wird es schwieriger, sich ein Bild und Urteil über den Anderen zu machen. Was für den einen eine Gefahr, kann für den Anderen eine Chance sein.

Welcher Mitmensch verbirgt sich hinter der Maske?

Schaue ich zu mir und was ich selbst steuern und verändern kann, so ist es die innere Haltung, mit der ich dem Anderen begegne. Fühle ich mich eingeschränkt von Außen, oder sehe ich die Chance des Augenblickes?

Während wir in den vergangenen Jahren unseren Mitmenschen im Supermarkt eher interessenslos begegneten, wächst derzeit die Intensität der Augenblicke. Wir sehen einander häufiger in die Augen und damit begegnen wir uns intensiver.

Vor kurzem schrieb ich einen Blogbeitrag zur Begegnung in Remote-Situationen, in dem ich eine Übung beschrieb, die mich faszinierte: Wir schauten einem von uns gewählten Teilnehmer an und fragten uns, wie es ihm ginge. Auch wenn wir nicht wussten, wer uns ansah und ob überhaupt, so war diese Übung für mich ein Augenöffner.

Zusammengefasst mit der Maskenpflicht bedingt die Situation, dass wir uns mehr in die Augen sehen müssen und dadurch eine andere Begegnungsqualität entstehen kann. Diese Qualität wird abhängig davon sein, in welcher Haltung ich dem Gegenüber begegne.

Machen wir das Beste daraus! Unterstellen wir dem Gegenüber, es sei großartig, Mutig, ein Weltverbesserer. Glauben wir an seine oder ihre Fähigkeiten, an den Wunsch das Beste für die Welt und sich zu tun. Wir müssen es nicht einmal aussprechen, es reicht, ihm oder ihr über den Blickkontakt zu signalisieren: Du bist gemeint, du bist gut!

Und wenn du diese Übung bei deinem nächsten Einkauf oder Busfahrt machst, dann wirst du merken, wie sich Wohlwollen um dich herum ausbreitet.

Wie können wir Beziehung in Remote-Konferenzen herstellen?

Zwei Möglichkeiten für den Check-In

Diese Frage wird in den zunehmenden Videokonferenzen und bei denjenigen, die sie als Facilitator unterstützen immer lauter. Mit der zunehmenden Erfahrung, wie effektiv Besprechungen geführt werden können und wie fokussiert man beim gemeinsamen Blick auf einen Bildschirm Themen bearbeiten kann, stellt sich die Frage, was eigentlich an der Präsenzarbeit so anders ist. Und häufig hört oder liest man: Die Beziehung ist eine andere.

Klar, man kann die Mimik besser erkennen und auch die Körpersprache. Die ständigen Mute-Tasten sind unterdrückt und so werden auch Stimmungslaute etc. wahrnehmbar. Daraus ziehen wir unsere Schlüsse über das, was andere Denken, wie sie sich Fühlen und was sie wohl antreibt.

Unternehmen, die seit jeher viel Remote arbeiten, sind die schnellen Abstimmungsprozesse gewohnt. Man organisiert hin und wieder echte Treffen, um die menschliche Begegnung zu ermöglichen oder nimmt in Kauf, dass zu Beginn oder nach dem Meeting auch mal ein bischen privates erzählt wird. Dabei treten diejenigen in Remote-Work stärker in den Vordergrund, die gerne von sich erzählen. Die Schweigenden bleiben im Hintergrund und die Beziehung zu ihnen wird schwächer.

Auch jetzt laden mich Kolleginnen und Kollegen, Kunden und Lieferanten zum virtuellen Afterwork oder auch zum Online-Barcamp ein. Was wir früher im Foyer oder in den Pausen ausgetauscht haben, bleibt in den eigenen vier Wänden und findet wenig Platz. Wie lässt sich aber dennoch Beziehung gestalten, ohne in die Persönlichkeit des Andere zu sehr einzugreifen und dadurch Ängste und Widerstände zu wecken?

Zwei Möglichkeiten möchte ich hier gerne schildern. Zum einen das Mood-Meter von Sprintbetter.de, zum anderen die Schweigeminuten in Zoom-Konferenzen.

Mood-Meter

(c) sprintbetter.de

Zu Beginn und zum Ende einer Zoom-Konferenz ist es hilfreich, den Teilnehmenden einen differenzierteren Ausdrucksrahmen für ihre Befindlichkeit zu geben. Mit Hilfe der obigen Abbildung ist das sehr einfach möglich. Wir haben im Rahmen von Barcamps zu Beginn unsere Sternchen auf eines der Felder geklebt (in einem gemeinsamen Whiteboard wie MURAL einem Google Jamboard). Dann hat jeder in zwei Sätzen begründet, warum er sich so fühlt. Die einzelnen Emfpindungen sind von unten links nach oben rechts zunehmend in der energie gesteigert und wandern dabei von negativen zu positiven Gefühlen.

Die Erfahrung zeigt, dass man zunächst gewillt ist, sozial erwünscht zu antworten. Hier ist die Empfehlung, dass wirklich dazu aufgefordert wird, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Es geht im Anschluss ja nicht darum, dem bekümmerten oder entmutigten gleich eine psychologische Beratung angedeihen zu lassen. Vielmehr geht es darum, zuzulassen, dass diese Stimmungen im Team vorhanden sind und sie zu respektieren.

Am Ende der Session kann erneut auf das Board gesehen werden und gegebenenfalls der eigene Stern verschoben werden auf die neue Stimmung. In diesen 5minütigen CheckIns und CheckOuts erlebt man als Beteiligter die Auseinandersetzung mit der eigenen Stimmung und mit dem Stimmungswandel der anderen. Das sorgt für eine größere Akzeptant und gegebenenfalls auch für eine spätere private Verabredung, wie sie auch im Office vielleicht stattfinden würde.

Bild von philm1310 auf Pixabay

Schweigeminuten in Zoom-Konferenzen

Ganz anders und viel intensiver empfand ich die Schweigeminuten zu Beginn einer Zoom-Konferenz. Wir wurden aufgefordert die Ansicht auf Galerieansicht umzuschalten (geht am oberen Bildrand) und uns die verschiedenen TeilnehmerInnen anzusehen. Dann sollten wir eines der Miniaturviedeo “anheften”. Das erreicht man dadurch, dass man auf die drei Punkte auf dem Bild klickt, während man es mit der Maus überfährt. Zoom schaltet genau dieses Video dann in Vollansicht und die anderen in die seitliche Galerieansicht.

Nun wurden wir aufgefordert uns diese Person anzusehen. Den Hintergrund, die Stimmung, in der derjenige wohl sei, was er jetzt wohl empfinden würde … Nach ein bis zwei Minuten konnten wir auch wechseln und andere Gesichter auswählen. Alle schauten konzentriert auf ihre Bildschirme und damit fast einander in die Augen. Zwar wusste man nicht, ob einen das Gegenüber jetzt gleichzeitig auch ansah, oder ob man überhaupt angesehen wurde, jedoch entstand ein Raum der Gegenseitigen Beschäftigung mit den Gesichtszügen, Gefühlsäußerungen, Hintergründe etc.

Diese Begegnung, ohne irgendein Urteil zum Anderen abzugeben oder aufzulösen, wen man sich angesehen hatte, führte zu einer emotional sehr positiven Stimmung innerhalb der relativ großen Runde von 25 TeilnehmerInnen. Als wir später in der Konferenz in Breaking-Teams unterteilt wurden (in diesem Fall per Zufall), freute ich mich, ein mir bekanntes Gesicht wiederzusehen, obwohl wir uns bis Dato noch nie gesehen hatten. Die Gesprächsbasis war sofort sehr vertraut und offen.

In diesem Gespräch in der Kleingruppe zeigte sich das Schweigen wiederum als große Kraft. Die Feststellung, dass wir zwar alle sehr fokussiert auf das Thema seien, aber es manchmal doch etwas Zeit benötige, den eigenen Körper wahrzunehmen, hatte ich bis dato in verschiedenen Webkonferenzen selbst wahrgenommen und von anderen Teilnehmern gehört. Wirklich auch hier sich zu Wort zu melden und zum Ausdruck zu bringen, dass man erst kurz sich besinnen wolle, ehe man etwas zu dem Punkt sage, war daher für mich logisch und wohltuend. Und es erschien mir leichter, weil wir gemeinsam zu Beginn bereits geschwiegen hatten.

Nehmt euch daher ruhig mal die Zeit, zu schweigen und den Anderen zu beobachten. Achtet aber darauf, dass ihr nicht in eine Vorverurteilug oder Verurteilung verfallt, welche negativen Einfluss auf eure Beziehung haben kann. Seid dabei neugierig und offen. Dann kann auch Beziehung in Remote-Work gelingen.

Welche Übungen oder Möglichkeiten kennt ihr, um gegenseitig die Beziehung zu stärken in Remote-Work-Meetings?