Geht es dir auch gerade so, dass du von Angeboten überrannt wirst? Jeder will dir irgendwas verkaufen, seine Methode als die wirksamste und erfolgreichste darstellen. Und das Beste: die Erklärungen, warum das so ist, sind oft auch noch stimmig.

“20 Jahre Coachingkompetenz sind in die Methode xy geflossen.”

“Warum du mit dieser Methode Remote-Work erfolgreich bestehst.”

“Die besten Methoden für xyz …”

diverse Werbeaussagen

Auf der anderen Seite nehme ich derzeit an verschiedenen Online-Meetings teil, in denen Menschen nach Lösungen suchen für das, was sie gerade umtreibt. Manche schulen sich dabei in Methoden, andere wiederum bringen ihre Methoden ein, um zu helfen. Daran ist überhaupt nichts verwerfliches. Mir geht es hier um einen anderen Aspekt:

Wieviel Methodenwissen braucht es, um anzufangen?

Wenn wir Innovatonsprozesse betrachten, starten diese häufig mit einer Problemstellung und einer Wahrnehmung der Situation. Dann werden über Brainstormings, Brainwritings und andere Gedankentätigkeiten erste Ideen entwickelt. Im Designthinking und inzwischen auch vielen anderen Methoden, folgt dann ein rasches Prototyping, das Beobachten der Reaktionen und die iterative Anpassung. Beobachtbar für mich war dabei, dass mit zunehmender Agilität das Machen immer früher einsetzte.

Als Trainer erlebe ich unter Trainerkollegen sehr häufig, dass erklärt wird, warum eine Methode angewendet wird, bevor dann diese Methode erklärt wird. Und erst im dritten Schritt erfolgt die Anwendung. Bis dahin ist ein Teil der TeilnehmerInnen schon eingeschlafen (vielleicht nicht äußerlich, sondern innerlich). Lediglich der Teil der “Kopfarbeiter” folgt, der sich mehr für die Methode, als für das Ergebnis interessiert.

Bild von Dirk Hoenes auf Pixabay

Aus dem Handwerk können wir lernen: Der Schmied braucht den Hammer, um das Eisen zu schmieden, solange es heiß ist. Wenn wir Handwerk lernen, dann müssen wir sofort ins Tun kommen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich im vorletzten Jahr meiner Schullaufbahn im Rahmen einer Jahresarbeit Schmieden gelernt habe. Hammer, Amboß, Esse und Eisen waren sofort klar. Aber das Handwerk selbst, lernt man nur durchs Tun. Und jeder Mitschüler, der mich damals besuchte in der Werkstatt, konnte durch einfaches Nachahmen auch schnell eine Spitze formen.

Entweder sind unsere Modelle zu kompliziert, wenn sie lange Erklärungen benötigen, oder aber wir sind viel zu verliebt in unsere Modelle. Übertragen in den Coaching- und Führungsalltag bedeutet dies für die Moderation von Meetings: Wenn Du ein neues Tool kennengelernt hast, erkläre nicht, wie es funktioniert, sondern fordere auf, es einfach zu machen. Wenn das Tool gut ist, dann weiß dein Kunde genau, wo der Hammer hängt, sobald er das Tool auch nur sieht. Und er wird es gleich anwenden können.

“Die haben scharfe Äxte”

Aus einer Geschichte über die Notwendigkeit von guten Werkzeugen

In einer Geschichte begegnet ein Mann einer Gruppe von Waldarbeitern, die mit Äxten Bäume fällen. Aus Interesse fragt er, wie viele Bäume sie am Tag schaffen. Wenig später trifft er eine andere Gruppe, die die gleiche Tätigkeit machen. Und wieder stellt er seine Frage. Auf dem Rückweg kommt er bei der ersten Gruppe vorbei und fragt: Warum schaffen die anderen mit weniger Menschen mehr Bäume als ihr? Die Antwort darauf steht im obigen Zitat.

Klar, wir müssen sehen, ob unser Werkzeug zum Werkstück passt. Und für viele Werkzeuge braucht man Übung. Das gilt auch für die Tools, die im Training eingesetzt werden. Wie leichtsinnig ist es dann, ohne große Übung in die Anwendung von bisher unbekannten Tools zu gehen?

Meine eigene Erfahrung zeigt: Einfach mal Machen ist die beste Methode. Wer gemeinsam mit seinen Kunden Tools ausprobiert, erlebt die gleichen Überraschungen und durchlebt die gleichen Empfindungen, wie sein Kunde. Das kann zusammenschweißen. Gerade jetzt erleben wir in den zahlreichen Remote-Work-Situationen, dass wir sympathie für das Unfertige entwickeln können, dass wir gemeinsam entdecken können, was für mich und meinen Kunden ein passendes Werkzeug ist. Machen ist der neue Mut, den es braucht, um die Gesellschaft gemeinsam zu verändern.

In diesem Sinne wünsche ich mutiges Machen – selbstverständlich mit Besinnungspausen – auf dass wirkliche Erfahrungen gesammelt werden können.

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