Der Augenblick

Ab heute gilt Maskenpflicht in Bus, Bahn und Ladengeschäften. Während man in den vergangenen Wochen erleben konnte, wie immer mehr Masken das Stadtbild prägten, ist zu vermuten, dass heute noch mehr Menschen sich an die Vorgaben halten.

Viele Menschen sehen sich eingeschränkt. Der Mimik des Gegenübers beraubt, wird es schwieriger, sich ein Bild und Urteil über den Anderen zu machen. Was für den einen eine Gefahr, kann für den Anderen eine Chance sein.

Welcher Mitmensch verbirgt sich hinter der Maske?

Schaue ich zu mir und was ich selbst steuern und verändern kann, so ist es die innere Haltung, mit der ich dem Anderen begegne. Fühle ich mich eingeschränkt von Außen, oder sehe ich die Chance des Augenblickes?

Während wir in den vergangenen Jahren unseren Mitmenschen im Supermarkt eher interessenslos begegneten, wächst derzeit die Intensität der Augenblicke. Wir sehen einander häufiger in die Augen und damit begegnen wir uns intensiver.

Vor kurzem schrieb ich einen Blogbeitrag zur Begegnung in Remote-Situationen, in dem ich eine Übung beschrieb, die mich faszinierte: Wir schauten einem von uns gewählten Teilnehmer an und fragten uns, wie es ihm ginge. Auch wenn wir nicht wussten, wer uns ansah und ob überhaupt, so war diese Übung für mich ein Augenöffner.

Zusammengefasst mit der Maskenpflicht bedingt die Situation, dass wir uns mehr in die Augen sehen müssen und dadurch eine andere Begegnungsqualität entstehen kann. Diese Qualität wird abhängig davon sein, in welcher Haltung ich dem Gegenüber begegne.

Machen wir das Beste daraus! Unterstellen wir dem Gegenüber, es sei großartig, Mutig, ein Weltverbesserer. Glauben wir an seine oder ihre Fähigkeiten, an den Wunsch das Beste für die Welt und sich zu tun. Wir müssen es nicht einmal aussprechen, es reicht, ihm oder ihr über den Blickkontakt zu signalisieren: Du bist gemeint, du bist gut!

Und wenn du diese Übung bei deinem nächsten Einkauf oder Busfahrt machst, dann wirst du merken, wie sich Wohlwollen um dich herum ausbreitet.

Onlineschwemme Beobachtungen

Geht es dir auch so? Dauernd kommen neue Angebote für kostenlose Webinare, grossartige und garantiert erfolgversprechende Marketingunterstützung oder persönliches Coaching zu dem, was dich wirklich erfolgreich macht. Da wird dann als erstes vom richtigen Mindset gesprochen und dann auch davon, dass die anderen dir was falsches verkaufen. Und wenn du dann zweimal teilgenommen hast, dann stellst du fest, dass der Aufbau immer der gleiche ist: Erst die Begründung, warum der Gastgeber der Profi für sein Thema ist, dann drei Tipps: Mindset ändern, jetzt anfangen und noch irgend etwas in der Art. Und dann: Wenn Du wirklich erfolgreich sein willst, bewerbe dich…

Was dann folgt, ist die weitere standard Werbestrategie. Sie baut darauf auf, dass Du das Gefühl bekommst, jemand will dir was Gutes, tun, Du bist besonders und Du kannst alles.

Wenn ich die Angebote anschaue, mag ich gar nicht glauben, dass das funktioniert. Sind wir wirklich schon so dumm, dass wir das nicht merken? Ich gebe zu, ich probiere es selbst gerade aus. Aber offensichtlich stimmt mein Mindset noch nicht. Ich bringe es einfach nicht übers Herz so platte Aussagen und Versprechungen marktschreierisch herauszurufen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich seit Jahrzehnten mit der Kunst der Frage beschäftige. Viele der Angebote starten mit Fragen: Willst du auch zu denjenigen gehören… Willst du… Warum … Wie du …

Treten wir einen Schritt zurück:

Wer stellt diese Frage an mich? Der Coach, der Trainer, der Marketingprofi. Und warum stellt er diese Frage an mich? Er möchte etwas verkaufen. Eine Dienstleistung, eine Methode. Und warum reagiere ich darauf?

Die Antwort ist sehr einfach: Wenn ich persönlich gefragt werde, fühle ich mich angesprochen und wertgeschätzt. Und gleichzeitig greift der in den Schulen antrainierte Mechanismus: Wenn dir eine Frage gestellt wird, dann musst du darauf eine Antwort geben. Und schwupps haben wir das Gefühl, wir sind in einem persönlichen Dialog.

Meine Anregung für heutige Zeiten: achte viel mehr darauf, welche Fragen dir gestellt werden, mit welcher Intention. Und frage dich öfters: Bin ich derjenige, der eine Antwort darauf braucht oder der Fragende.

Falls Dich das Thema mehr interessiert, kannst Du dich gerne bei mir melden. www.evokator.de/beratungsgespraech 😉

Was sollen wir tun?

Es ist doch so:
Ob Experten, Semiprofessionals, Laien, Verkäufer, Politiker oder Scharlatane: wir alle geben Antworten auf Fragen zur Krise. Dabei lautet die Frage “Was soll ich tun?” zwar bei jedem der sie stellt gleich, die Antwort darauf ist aber immer individuell.
Wenn wir uns klar machen, wie genau die Frage des anderen an uns ist, dann werden wir viel weniger unnütze Antworten geben.
Meistens jedoch nehmen wir uns dazu keine Zeit.

Wie lauten unsere Antworten, wenn diese Frage “Was soll ich tun?” von

  • einem Apotheker
  • einer Busfahrerin
  • einem Chauffeur
  • einer Designerin
  • einem Eisverkäufer
  • einer Fahrradmechanikerin
  • einem Gastronom
  • einer Hostess
  • einem Imker
  • einer Jägerin
  • einem Kioskbesitzer
  • einer Landfrau
  • einem Maschienenbauingenieur
  • einer Nachrichtensprecherin
  • einem Opernsänger
  • einer Polizistin
  • einem Quantenphysiker
  • einer Reiseleiterin
  • einem Samenzüchter
  • einer Tänzerin
  • einem Unfallarzt
  • einer Veterinärin
  • einem Wachmann
  • einer X-beliebigen Person
  • einem Yachtbesitzer
  • einer Zugschaffnerin

gestellt werden?

Dazu müssten wir auch wissen: Wie betont der- oder diejenige seine oder ihre Frage: Liegt die Betonung auf dem “Was”, dem “Sollen”, dem “Ich” oder dem “Tun”?

Spielkarte aus “Katalyst – evocational advice”

Es gibt sie nicht, die X-Beliebigen. Wir erkennen, dass wir alle individuell sind und als solche wahrgenommen werden wollen. Daher sind die Gespräche, das gegenseitige Interesse aneinander, gerade heutzutage so notwendig.

Und nicht nur in der Krise, sondern immer und immer mehr: Im Arbeitsleben, in der Familie, in der Gemeinschaft.

Traut euch mehr zu Fragen, statt zu schnelle Antworten zu geben! Traut euch, eure Frage für euch selbst erstmal zu verstehen. Traut euch, solange im Dialog zu sein, dass der Antwortende nicht aus seinem eigenen Verständnis heraus antwortet, sondern aus dem echten Verstehen der Frage des Anderen.

Diese Achtsamkeit, dieses Zu-hören, ist die größte Chance der Begegnung. Wenn wir uns die Fragen, die durch das Auftauchen des Coronavirus in der Gesellschaft gestellt werden bewusster machen in all der individuellen Auslegung, werden wir mehr Nähe, Dialog, Menschlichkeit finden.

#staysafe #asktherightquestions #evocate #physicaldistance #socialdialog